BME-Barometer „Elektronische Beschaffung“

Stand und Entwicklung der Digitalisierung von Einkauf und Supply Chain Management

Gemeinsam mit dem Lehrstuhl für Industriebetriebslehre (Prof. Dr. Ronald Bogaschewsky) der Universität Würzburg wird jährlich eine Studie durchgeführt, die sich mit dem aktuellen Stand der Digitalisierung in ausgewählten Bereichen von Einkauf und SCM sowie mit den zu erwartenden zukünftigen Entwicklungen beschäftigt.

Unterstützt wird die Studie vom Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e. V. (BME) und vom Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik in Österreich (BMÖ) sowie der Firma Allocation Network GmbH.

Inhalt

Untersucht werden folgende Aspekte:

1. Stand und Ausblick der Elektronischen Beschaffung

  • Plan-to-Strategy
  • Source-to-Contract
  • Requisition-to-Pay / Procure-to-Pay
  • Category-spezifische Tools
  • Lieferantenmanagement (SRM)
  • Qualitätsmanagement
  • Spend Analysis / Controlling

2. Digitalisierung und die Zukunft des Einkaufs

  • Operative / administrative Einkaufsprozesse
  • Strategische Einkaufsprozesse
  • Zukunftstechnologien

Details

Fazit der Studien

2020

An der Befragung nahmen 168 Unternehmen aus Industrie, Dienstleistungsgewerbe, Handel und öffentlichen Institutionen im Zeitraum Oktober bis Dezember 2019 teil. Darunter befanden sich zu etwas mehr mittelständische Betriebe (KMU) (ca. 57 %) als Großunternehmen (ca. 43 %). Die Ergebnisse wurde am 23.03.2020 veröffentlicht.

Die Einführung und der Ausbau elektronischer Lösungen in deutschsprachigen Unternehmen lässt weiter zu wünschen übrig. Denn in jedem vierten in diesem Jahr befragten Betrieb steht die Geschäftsführung bei diesem wichtigen Thema auf der Bremse. Ebenso viele Firmen berichten von internen Widerständen, die das Vorankommen behindern. Hinderungsgründe für die weitergehende Nutzung digitaler Lösungen im konventionellen E-Procurement-Bereich liegen nach wie vor primär in einer mangelnden internen Datentransparenz und -Strukturierung, d.h. dem Stammdatenmanagement. Diese Faktoren werden von den Befragten teilweise noch intensiver als Hinderungsgründe empfunden als im Vorjahr.

Die Umfrage ergab auch, dass die Notwendigkeit des Einsatzes der E‐Tools von Klein- und Mittelunternehmen im Vergleich zu Konzernen fast durchweg geringer eingeschätzt wird – ein Trend, der seit Jahren zu beobachten ist. Es wurden aber auch signifikante Veränderungen deutlich. So schätzen im Gegensatz zum Vorjahr die Befragten aus Industrieunternehmen die jeweilige Relevanz des Einsatzes der E‐Tools über nahezu alle Kategorien hinweg höher ein als die Dienstleister.

Ähnlich wie im Vorjahr werde eine nahezu komplette Automatisierung des operativen Einkaufsprozesses bis vor dem Übergang zur Rechnungsprüfung und ‐buchung von über zwei Dritteln der Unternehmen in absehbarer Zeit erwartet und sei zum Teil schon vollzogen. Ähnliches gelte für die Integration der Buchungs‐, Rechnungsprüfungs‐ und Zahlungsprozesse mit dem Bestellprozess im Sinne eines unterbrechungsfreien P2P‐Prozesses sowie das Empfangen von Lieferantenrechnungen in elektronischer Form.

Fast die Hälfte der Befragten gehen von einer Verschiebung erforderlicher Qualifikationen im strategischen Einkauf in Richtung IT-Kompetenz aus. Kollaboration wird immer mehr als eine Kernkompetenz des strategischen Einkaufs wahrgenommen. Nur ein kleiner Teil der Befragten befürchten, dass die Rolle des strategischen Einkaufs durch „intelligente“ IT-Tools geschwächt werden könnte; die überwiegende Mehrheit lehnen diese Aussage nahezu vollständig ab. Im Gegenteil sehen gut zwei Drittel hierdurch eine Stärkung der Rolle des strategischen Einkaufs im Unternehmen.

Die aktuelle Umfrage gibt auch Aufschluss, welche Zukunftstechnologien für Einkauf, Logistik und Supply Chain Management die größte Bedeutung haben. Danach liegt Big Data Analytics wie ein Jahr zuvor erneut auf Platz eins. Auf den Plätzen folgen „Intelligente Objekte zur Steuerung des Materialflusses“ und „Gemeinsame Datenräume entlang der Supply Chain“. Blockchains bilden das Schlusslicht. Insgesamt werden die „Zukunftstechnologien“ deutlich weniger positiv gesehen als im Vorjahr.

2019

An der Befragung nahmen 264 Unternehmen aus Industrie, Dienstleistungsgewerbe, Handel und öffentlichen Institutionen im Zeitraum Oktober bis Dezember 2018 teil. Darunter befanden sich zu etwa gleichen Teilen Großunternehmen und mittelständische Betriebe (KMU). Am 12. März 2019 wurde den ca. 1.400 Teilnehmern der 10. BME-eLÖSUNGSTAGE in Düsseldorf die Studie im Detail vorgestellt.

Die Ergebnisse lassen sich unter dem Motto „1.0-Welt aufräumen – Platz für neues schaffen!“ zusammenfassen. Die Digitalisierung der klassischen Beschaffungsprozesse (1.0-Welt) in den Unternehmen schreitet auf der einen Seite kontinuierlich voran. Besonders gefragt sind Tools für das Lieferantenmanagement sowie für den Source-to-Contract- und Requisition-to-Pay-Prozess (R2P). Auch wenn die Geschwindigkeit der Umsetzung deutlich höher sein könnte und eigentlich wohl auch müsste - die Notwendigkeit der Automatisierung dieser operativen Einkaufsprozesse scheint mittlerweile in vielen Unternehmen angekommen zu sein. Der Fokus richtet sich langsam auf die E-Tools im strategischen Einkaufsbereich.

Die Potenziale dieser „neuen“ Digitalisierung sind allerdings auf der anderen Seite offenbar vielen Unternehmen noch nicht vollkommen klar geworden. Hier ist noch reichlich Aufklärungsarbeit zu leisten, wenn man nicht hinter der Konkurrenz zurückfallen will. Dies ist insofern sehr wichtig, denn die neuen Lösungen stellten teilweise einen Paradigmenwechsel dar; dieser dürfte den Einkauf in eher traditionellen Unternehmen völlig verändern.

2018

An der Befragung zur Studie 2018 nahmen zwischen Oktober 2017 und Januar 2018 insgesamt 303 Unternehmen aus Industrie, Dienstleistungsgewerbe, Handel und öffentlichen Institutionen teil. Darunter befanden sich zu etwa gleichen Teilen Großunternehmen und mittelständische Betriebe (KMU). Am 13. März wurde den mehr als 1.000 Teilnehmern der 9. BME-eLÖSUNGSTAGE in Düsseldorf die Studie im Detail vorgestellt.

Die Mehrheit der befragten Unternehmen hat die „klassischen“ Basisprozesse im Einkauf noch nicht durchgehend digitalisiert. Inwieweit auf dieser Grundlage in den nächsten Jahren die „digitale Transformation“ zum Einkauf 4.0 – also die Einführung und Nutzung neuer digitaler Prozesse und Geschäftsmodelle – in der Breite gelingen kann, muss mit einem Fragezeichen versehen werden. Insbesondere KMU sind hier aktuell noch deutlich schlechter aufgestellt als Großunternehmen. Nichtsdestotrotz werden einige Betriebe als Leuchttürme weiter voran-gehen. Für die Mehrheit der Firmen heißt es jedoch zunächst, die grundlegenden Beschaffungsprozesse digital in den Griff zu bekommen – und dies in einer Geschwindigkeit, die den Abstand zu den Best-in-Class-Unternehmen nicht noch größer werden lässt.