Ein Forschungsteam der HTWK Leipzig, der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und des Leibniz-Instituts für Länderkunde zeigt im „Wirtschaftsdienst“ am Beispiel des Burgenlandkreises, wie Integration in strukturschwachen Regionen gelingen kann
Vielen strukturschwachen Regionen fehlen durch den demografischen Wandel zunehmend Arbeitskräfte. Internationale Fach- und Arbeitskräfte können diese Lücke schließen. Wie das gelingt und welche Hürden es gibt, untersuchen Lucia Mrázová, Hanna Fischer, Jana Winter, Dr. Tim Leibert, Dr. Nadine Marmai, Jonathan Gescher und Prof. Dr. Rüdiger Wink in ihrem Beitrag „Arbeitsmarktintegration: Pfadabhängigkeiten und Empfehlungen für neue Zuwanderungsregionen“.
Fallbeispiel Burgenlandkreis
Für den Burgenlandkreis in Sachsen-Anhalt wird bis 2040 ein Bevölkerungsrückgang von 20,5 Prozent prognostiziert. 2025 hatten bereits elf Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten eine ausländische Staatsangehörigkeit. Viele von ihnen arbeiten jedoch befristet, in Leiharbeit oder unterhalb ihrer Qualifikation.
Darüber hinaus beleuchtet der Artikel gewachsene Pfadabhängigkeiten: Weil es in der DDR kaum dauerhafte Zuwanderung gab, fehlen bis heute migrantische Netzwerke. Zugewanderte zieht es daher eher in Großstädte. Außerdem denkt etwa ein Drittel der Zugewanderten in Sachsen-Anhalt über einen Wegzug nach, vor allem wegen fehlender Willkommenskultur, Diskriminierung und eines fehlenden sozialen Umfelds.
Vorbild für andere Regionen
Der Burgenlandkreis hat bereits verschiedene Maßnahmen umgesetzt, die auch das Forschungsteam empfiehlt. So gründete der Landkreis 2018 eine Migrationsagentur, in der Ausländerbehörde, Jobcenter, Jugendamt und Sozialhilfe unter einem Dach zusammenarbeiten. In einem Integrationsnetzwerk tauschen sich rund 70 Akteure aus Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft aus. Ein Migrationsrat bringt zudem die Erfahrungen von Zugewanderten in die Verwaltungsarbeit ein. Im Pilotprojekt CareerPaths lernen Zugewanderte Unternehmen aus der Region kennen. Einzelne Betriebe bieten außerdem Sprachkurse mit branchenbezogenen Inhalten und flexible Arbeitszeiten an.
Gleichzeitig sieht das Forschungsteam weiteren Handlungsbedarf. Dazu zählen unter anderem einfachere Anerkennungsverfahren, mehr Mehrsprachigkeit in der Verwaltung und ein wirksamerer Schutz vor Diskriminierung. Die bisherigen Ansätze zeigen damit sowohl vorhandene Strukturen als auch Bereiche, in denen noch Verbesserungen möglich sind. Das Fazit: Zuwanderung allein kann den Fachkräftemangel nicht lösen. Eine erfolgreiche Integration erfordert das Zusammenspiel von Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft.
Der Beitrag entstand mit Daten aus dem Interreg-Europe -Projekt MILEstone (Migrants' Integration in Local Economies).
Publikation
Mrázová, L.; Fischer, H.; Winter, J.; Leibert, T.; Marmai, N.; Gescher, J.; Wink, R. (2026): Arbeitsmarktintegration: Pfadabhängigkeiten und Empfehlungen für neue Zuwanderungsregionen. Wirtschaftsdienst 106(9), 675–681. DOI: 10.2478/wd-2026-0165
